Ein Meister seines Fachs
„Ihr seid so lieb zu mir …!“ sagt Peter Autschbach beinahe verlegen, als ihn das Publikum nachdrücklich zur dritten Zugabe auffordert. Dabei war in Wirklichkeit er es, der die Zuhörer beschenkt hat: mit einem Abend voller Genussmomente und dem Versinken in seiner virtuosen Musik, bei der immer wieder sein Spielwitz aufblitzt. Aber Autschbach ist eben einer dieser Künstler, die beim Spielen mit ihrem Instrument eins werden und jederzeit unprätentiös und bescheiden bleiben.
Volles Haus
Er freue sich über das volle Haus – bis auf eine Karte ist das ZAK in Niedernhausen ein weiteres Mal ausverkauft – sagt er zum Einstieg nach seiner sanft-melancholischen Eigenkomposition „November“. Allerdings habe er damit gerechnet, denn bei dem Konzert mit Ralf Illenberger 2024 platzte das ZAK aus allen Nähten. Das anschließende brillante „You and me“ kommt ebenso schnörkellos wie wendungsreich daher und lässt die Zuhörer träumen …
„Was passiert, wenn ein Musiker zu lange auf Tour ist?“ leitet er seinen „Suitcase Blues“ bzw. „Kofferblues“ (2017) ein. Dass er sich dann einsam und traurig fühlt, nur noch von Johnnie Walker getröstet wird, singt er auf Englisch mit sanfter Stimme. Und dann wird es „peppiger“: „Summer Breeze“ (2003) ist eine verspielte Fingerstyle-Komposition mit jazzigem Einschlag. Sofort spürt man das Kitzeln der ersten Sonnenstrahlen auf der Haut.
Was wünscht man einer verflossenen Liebe?
„Ich singe ein Chanson,“ kündigt er an, „aber nicht auf Französisch!“. Es ist die englische Übersetzung von Charles Trenets „Que reste-t-il de nos amours?” und erzählt unter dem Titel „I wish you love“ anrührend die guten Wünsche eines oder einer Verlassenen für den, der geht. Mit „Corcovado“ von Antonio Carlos Jobim endet das erste Set mit Latin, dem Feinsten, was man mit einer Gitarre erreichen kann. In diesem Fall Autschbachs Hauptgitarre, denn er hat noch zwei weitere dabei, aber zunächst eignet sich die Pause zum Kauf von CDs und Schallplatten. Dazu hatte er unter Hinweis auf die wenigen Cents aufgefordert, die Spotify an die Künstler zahlt.
Danach beginnt er mit einer eigenwilligen Interpretation von Jimmy Hendrix‘ „Little Wing“. Mit der verstärkten Gitarre entsteht eine völlig andere Atmosphäre als im ersten Set: eher dunkle, groovige Töne lassen wilde Erinnerungen entstehen.
Die federleichte Melodie des „sehr alten“ Jazz-Standards „Stompin at the Savoy“ löst diese Stimmung sofort wieder auf. Komplizierte Griff- und Tonartwechsel scheinen wie von selbst zu gelingen; die unaufgeregte, meisterhafte Beherrschung seines Instruments zeichnet Autschbach aus.
Fotos: Hanna Wilhelm
1001 Nacht in der Apsis der Alten Kirche
Um seine Striebel-Fretless-Nylongitarre vorzustellen, wagt er nun eine quasi-orientalische Improvisation, bei der ihn Werner Düll vom ZAK auf der Shrutibox begleitet. Autschbach lautiert synchron zur Gitarrenmelodie – 1001 Nacht ist nicht weit!
Mit der siebensaitigen Gitarre covert er dann „Black Hole Sun“ von Sound Garden in jazziger Interpretation, präsentiert mithilfe des Loopers einen Bossa mit blitzschnellen Läufen und noch ein eigenes Stück mit eigenem Text, „High and Low“, um zum Abschluss Steely Dans „Babylon Sisters“ zu servieren. Kein Wunder, dass er drei Zugaben (eine sogar mit Fingerpics) geben muss, bevor man ihn gehen lässt.
Gleich notieren: 2027 kommt er mit TA2 und einem indischen Perkussionisten wieder!
Text: Marion Diefenbach
Vielen Dank, liebe Marion, für die Unterstützung!
