Tilmann Höhn verzaubert sein Publikum

Gitarrenmagie am 26. April 2025 im ZAK


Allein schon der Aufbau des Instrumentariums auf der Bühne ist sehenswert, wenn laut Ankündigung ein Solokünstler auftritt: Drei E-Gitarren, zwei Akustikgitarren, diverse Rhythmusinstrumente, mehrere Mischpulte, zwei Säulenlautsprecher, mehrere Looper … Außerdem zahllose kleine Malereien (von Höhn selbst) eines Mannes mit seiner Gitarre, farbig oder schwarzweiß, CDs sowie zwei Bücher: „HBN Mord im Schlachthof“ und „Tilmann‘s handmade guitar-theory Book for you“. Später wird das Publikum aufgeklärt, dass Höhns Frau ihm zu Büchern und Bildern riet, da heutzutage niemand mehr CDs kaufe.

 

Bekannt und vielseitig

Ebenso bekannt wie vielseitig ist Höhn vor allem als eins: Jazz-Gitarrist, Akustik-Gitarrist, Blues-Gitarrist, Elektrik-Gitarrist, Studio-Bossanova-Pop-Solo-Duo-Trio-Gitarrist und Komponist. Jahrelang hat der Wiesbadener in der Niedernhausener Musikschule unterrichtet und ist auch bereits mehrfach im ZAK aufgetreten. Seine zahlreichen Aktivitäten und Auftritte sind unter anderem bei Wikipedia nachzulesen.

Foto: Tilmann Höhn

Mit sechs Saiten um die Welt

Sein Solokonzert hat er diesmal „Around the world with six strings“ genannt – und nimmt die wie üblich sehr zahlreichen Zuhörer im ZAK mit auf eine Reise durch Amerika, Afrika und Indien. Ganz in Grau mit roten Turnschuhen setzt er sich wortlos in die Mitte seiner Instrumente und fängt an mit dem „Andalusien-Intro“, das unschwer als solches zu erkennen ist. Mit leisem Humor kommentiert er das anschließende „Meer-Weh“, der Titel komme meist erst hinterher – aber die Stimmung hat er perfekt eingefangen. Seine Hände und Füße (an Mischpulten und Loops) bewegen sich ebenso schnell wie die Töne um die Ohren des Publikums.

 

Und schon sind wir in Paris: „Pour Antoine“ (Boyer) und „Nuage“ (Django Reinhardt) werden teilweise vom Loop mit Rhythmus unterlegt und klingen mehrstimmig: ein fantastisches Hörerlebnis. Nach einer Hommage an die Malkunst „Einst dem Grau der Nacht enttaucht“ (nach einem Werk von Paul Klee) und „Gauguin’s window“ geht es mit einer Trilogie in die USA der 50er/60er Jahre direkt nach Springfield, bevor er mit „Under African Skys“ den Zauber Afrikas in die Alte Kirche bringt.

 

Minutiös geplante, eher gedämpfte Geräusche wie Vogelgezwitscher, ein Stück Kork auf den Saiten oder ein Fingerrutschen über den Gitarrenkorpus gehen schlagartig in volle, laute Klänge über und liefern einen völlig anderen Gesamteindruck.

 

Mit der Baritongitarre geht die Reise nach „Unbekannt“, einfach weil Höhn sie gern spielt. Auch hier kommen Loop und Gitarrenwechsel zum Einsatz, um ein fremdartiges Klangbild mit versöhnlichem Abschluss zu erschaffen. Dass er nach jedem Song eine Gitarre stimmen muss, überspielt er gekonnt mit dem Kommentar: „Danke für Ihre sakrale Stille“… 

Kontraste im Mittelpunkt

Nach der Pause folgen einige Walzer und dann der Trip nach Indien mit der Sitar-Gitarre, die über einen zweiten Kopf und noch mehr Saiten verfügt: Wieder entsteht eine „dreilagige“ Melodie. Unter dem Titel „Darling Yvonne“ zu Ehren seiner Gesangspartnerin in Afrika stehen wieder Kontraste im Mittelpunkt: scharfe Töne nach einer sanften Einstimmung und harte Wechsel zwischen Laut und Leise. Es folgen ein Walzer als Tribut an Maurice Ravel und dann an Pat Metheny mit der akustischen Baritongitarre, die über zwei oktavierte Saiten verfügt, das nachdenkliche „Mysterious Twilight“.

 

Verstärkung durch Peter van Ham

Zum krönenden Abschluss holt er zu Ehren von Astor Piazzolla seinen Freund Peter van Ham auf die Bühne. Bei der atemberaubenden Trilogie – „Buenos Aires“, „Walse for Astor“ und „March 11th“ – trägt van Ham mit einer Reihe aufgehängter Schlüssel sowie diversen Trommeln und einer Fußschelle nicht nur Rhythmus, sondern auch viel Gefühl bei.

 

Mit dem Abschiedsstück „Shenandoah“, das Höhn mit der Melodie von „Der Mond ist aufgegangen“ enden lässt, schickt er das restlos begeisterte Publikum nachhause.

 

Marion Diefenbach